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Die Psychiatrie befindet sich gegenwärtig in einer Krise. Die Anforderungen, denen sich die Psychiatrie in der modernen Gesellschaft in Deutschland gegenübersieht, und der Hilfebedarf steigen. Das medizinische Fachgebiet kann den an sie gestellten Erwartungen aber nicht mit den gewohnten Strategien, Paradigmen und Interventionen gerecht werden. Keine medizinische Fachdisziplin muss sich so intensiv mit der Wechselwirkung des menschlichen Individuums und seiner Umgebung, Widersprüchen zwischenmenschlichen Lebens und Life events auseinandersetzen.
Reden wir doch mal ehrlich darüber, was die Patientin Psychiatrie braucht.
Moderation: Jan Brüning gen. Brinkmann
Die Psychiatrie befindet sich gegenwärtig in einer Krise. Die Anforderungen, denen sich die Psychiatrie in der modernen Gesellschaft in Deutschland gegenübersieht, und der Hilfebedarf steigen. Das medizinische Fachgebiet kann den an sie gestellten Erwartungen aber nicht mit den gewohnten Strategien, Paradigmen und Interventionen gerecht werden. Keine medizinische Fachdisziplin muss sich so intensiv mit der Wechselwirkung des menschlichen Individuums und seiner Umgebung, Widersprüchen zwischenmenschlichen Lebens und Life events auseinandersetzen.
Reden wir doch mal ehrlich darüber, was die Patientin Psychiatrie braucht.
Moderation: Jan Brüning gen. Brinkmann
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Monday Jun 08, 2026
Monday Jun 08, 2026
Jablensky, A., Sartorius, N., Ernberg, G., Anker, M., et al. (1992). Schizophrenie: Manifestationen, Häufigkeit und Verlauf in verschiedenen Kulturen: Eine Zehn-Länder-Studie der Weltgesundheitsorganisation. Psychological Medicine, Mo Suppl 20, 97.
„Interestingly, 24- to 36-month medication use was a significant marker (0.13 SNAP units), not of beneficial outcome, but of deterioration. That is, participants using medication in the 24- to 36-month period actually showed increased symptomatology during that interval relative to those not taking medication."
P.S. Jensen et al.: 3-Year Follow-up of the NIMH MTA Study. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry, 46:8, Aug. 2007, p 996
J. Moncrieff et al.: The serotonin theory of depression: a systematic umbrella review of the evidence. Molecular Psychiatry; 2022: https://doi.org/10.1038/s41380-022-01661-0
R. Whitaker - Mad in America - Bad science, Bad Medicine and the Enduring Mistreatment of the Mentally ill. Basic Books, 2nd Edition, 2010.
R. Whitaker - Anatomie einer Epidemie - Wenn Psychopharmaka krank machen, Kohlhammer Sachbuch, 2026.

Thursday May 28, 2026
Thursday May 28, 2026
Wie überall in der Medizin diskutieren auch im Fachgebiet Psychiatrie am meisten die Profis in der Öffentlichkeit untereinander, weil sie doch die vermeintlichen Expert:innen sind. Aber was ist den mit den Betroffenen? Sind die einverstanden damit, dass sehr viel über sie, aber nicht mit ihnen gesprochen wird? Auf großen Kongressen und Fortbildungen begegnen sie mir kaum, dabei gibt es Netzwerke, in denen Betroffene nicht nur ihre Erfahrungen, sondern auch kritische Informationen und Ansichten austauschen…denn nicht alle sind so einverstanden damit, was die Fachleute untereinander besprechen oder für Wahrheit halten, weil es oft nur eine rationale Perspektive ist. Vereinzelt werden mal Prominente auf die Bühne gebeten, um dann zu bestätigen, wie hilfreich es war, endlich einzusehen, wie krank man ist und dass es zum Glück die Psychiatrie gibt. Doch es gibt auch kritische Stimmen, nur werden diese weniger gehört. Unter anderem deswegen, weil sie sich nicht kommerziell benutzen lassen wollen. Weil sie festgestellt haben, dass Medikamente und das biologistische Krankheitsmodell Ihnen wenig Segen, sondern oft Schaden und lange Irrwege gebracht hat. Mad in Deutschland, eine der jüngeren Stimmen, ist seit einem halben Jahr online.
Falls jemand bei uns mitmachen oder eine Geschichte einreichen möchte, hier die Mail-Adresse redaktion@madindeutschland.org
Literatur:
Das Zitat, dass "Patienten ... ihre Medikamente nicht mehr nehmen würden, wenn wir sie über alle Nebenwirkungen, Komplikationen und Spätfolgen aufklären würden", steht übrigens tatsächlich im Buch von Gerhard Gründer auf Seite 4: Gründer, G. (2025). Psychopharmaka absetzen? Warum, wann und wie? (2. Auflage). Elsevier. https://doi.org/10.1016/C2023-0-01178-5
Francis, A., Normal - Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen. Dumont, 2013.
Whitaker, R., Anatomie eine Epidemie - Wenn Psychopharmaka krank machen, Kohlhammer, 2026.
Whitaker, R., Mad in America: Bad science, bad medicine and the enduring mistreatement of the mentally ill. Basic Books, 2002.

Thursday Apr 30, 2026
Thursday Apr 30, 2026
Am Anfang meiner psychiatrischen Arbeit dachte ich: „Alles ist klar und überschaubar.“ Psychische Erkrankungen beruhen auf pathologischen neurobiologischen Prozessen und können anhand der Klassifikations-systeme ICD und DSM diagnostiziert und nach Leitlinie behandelt werden.
Aber die Wechselwirkung zwischen Menschen und ihrem Umfeld scheint doch maßgebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und den Verlauf von Erkrankungen zu haben. Wie sinnvoll ist es da, Menschen außerhalb ihrer Umgebung und Mitmenschen zu behandeln, wenn sie in genau dieses Umfeld zurückkehren sollen? Zudem ist es einerseits zwar erfreulich, dass man in Jahre 2026 offener über seelische Probleme sprechen kann, gleichzeitig wird damit aber oft die Verantwortung abgegeben. Zum einen an die Erkrankung, die „krankes Verhalten“, „schlechte Gefühle“ und Einschränkungen im Leben verursacht und zudem an die Psychiatrie und die Therapierenden, die sich darum kümmern sollen. Was ist die Aufgabe und Verantwortung der Gesellschaft in Bezug auf gesunde Anforderungen und Lebensweisen? Welche Wechselwirkung gibt es zwischen den beiden Systemen, denn längst prägen Psychiatrie und Psychologie unsere Sprache, unser Denken und somit unser Miteinander?
Es ist also an derZeit darüber zu sprechen…und das tun wir in der heutigen Folge von Patientin Psychiatrie mit Peter Brieger, einem der einflussreichsten Psychiater Deutschlands. Er ist Ärztlicher Direktor kbo-Isar-Amper-Klinikum München, einer der größten psychiatrischen Kliniken Deutschlands. Außerdem ist er im Vorstand der Aktion Psychisch Kranke, die sich seit Jahrzehnten für die Verbesserung der psychiatrischen Versorgungsysteme einsetzt. Mit dabei ist auch der Psychiater Stefan Weinmann. Er arbeitet als Stellvertretender Ärztlicher Direktor und Leiter der Psychiatrischen Institutsambulanz am universitären Zentrum für Integrative Psychiatrie in Lübeck. Peter Brieger und Stefan Weinmann sind beide im wissenschaftlichen Beirat des Psychiatrie Verlages, in dem beide auch zu gesellschaftlichen Fragen publiziert haben.

Thursday Apr 02, 2026
Thursday Apr 02, 2026
Mertens LJ, Koslowski M, Betzler F. et al. Efficacy and safety of psilocybin in treatment-resistant major depression: the EPISODE randomized clinical trial. JAMA Psychiatry. Published online March 18, 2026. doi:10.1001/jamapsychiatry.2026.0132
https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/10.1001/jamapsychiatry.2026.0132

Thursday Mar 05, 2026
Thursday Mar 05, 2026
In den psychiatrisch-psychotherapeutischen Fachgebieten herrscht bislang ein deutlicher, aber abnehmender Frauenüberschuss – sowohl auf Seiten der Therapierenden, als auch bei den Therapierten. In diesem Zusammenhang gibt es zahlreiche Vorurteile, wie z.B. „Frauen sind in der Psychiatrie – Männern im Gefängnis.“
Es scheint an der Zeit, damit etwas aufzuräumen. Im heutigen Männergespräch bei Patientin Psychiatrie rede ich heute als Psychiater mit dem bekannten Psychotherapeuten, Buchautor und Referenten, dem „Männerflüsterer“ Björn Süfke aus Bielefeld über toxische Männlichkeit, die männliche Form der Depression, die männliche Prägung des Fachgebietes Psychiatrie, aber auch über James Bond und die Gewalterfahrungen von Männern.
Literatur:
W Neumann, B Süfke, Den Mann zur Sprache bringen: Psychotherapie mit Männern, DGVT-Verlag, 2004.
B Süfke, Männerseelen: Ein psychologischer Reiseführer, Goldmann, 2010.
B Süfke, Männer: Was es heute heißt, ein Mann zu sein, Goldmann, 2018.
K Theweleit, Männerfanasien (Neuausgabe), Matthes und Seitz Berlin, 2019.

Thursday Feb 05, 2026
Thursday Feb 05, 2026
„Schweres Selbstverletzungen, Wutausbrüche, manipulatives Verhalten um nicht Verlassen zu werden und dann noch die ständigen Drohungen mit Suizid.
Menschen mit einer Borderline-Störung sind keine Patient:innen, um die sich Behandelnde und Einrichtungen reißen. Ganz im Gegenteil, manche können eine ganze Station alleine auf Trapp halten.“ So oder so ähnlich stellen sich viele Außenstehende oder Behandelnde die Betroffenen vor. Aber stimmt das? Sind Borderliner wirklich „Patients from hell“ oder fühlt sich das Leben dieser Menschen nicht eher so an.
Im psychiatrischen Stationsalltag nehmen sie tatsächlich viel Raum ein, da sich krisenhafte Aufnahmen aneinanderreihen und kompetente ambulante Hilfe selten ist.
Aber vielleicht ist das Problem auch eine ganze Ecke hausgemacht. Vielleicht ist die Psychiatrie umgekehrt eine echte „School of Borderline“, wo junge Menschen nicht lernen, ihre Emotionen zu regulieren und ihr Leben aufzubauen, sondern wie man mit maximal selbstschädigendem Verhalten auch maximal Ressourcen bindet.
M. Bohus: DBT-Skill-Training - Das PatientenManual. Schattauer, 2024.
M. Bohus: Borderline-Störung (Fortschritte in der Psychotherapie), Hogrefe, 2019.
B. Dulz, S. Herpetz, O. Kernberg, U: Sachsse: Handbuch der Borderline Störungen. Schattauer, 2. Aufl., 2011.
M. Linehan: Dialektisch-Behaviourale Therapie der Boderline-Persönlichkeitsstörung. CIP-Medien, 2008.
C. Stiglmayr: Die Dialektisch-Behaviorale Therapie. PSYCH up2date 2017; 11: 151–164 151.
C. E. Stiglmayr, T. Grathwol, M. M. Linehan, G. Ihorst, J. Fahrenberg, M. Bohus: Aversive tension in patients with borderline personality disorder: a computer-based controlled field study. Acta Psychiatr Scand 2004: 110: 1–8. DOI: 10.1111/j.1600-0447.2004.00466.x
Stiglmayr et al. Borderline Personality Disorder and Emotion Dysregulation 2014, 1:20 http://www.bpded.com/content/1/1/20
Wagner, S. Roepke, P. Marschall, C. Stiglmayr, B. Renneberg, D. Gieb, C. Dambacher, S. Matthies, H. Salbach-Andrae, S. Fleßa & T. Fydrich: Krankheitskosten der Borderline Persönlichkeitsstörung aus gesellschaftlicher Perspektive. Societal cost-of-illness of borderline personality disorder. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 42. Jahrgang / Heft 4, 2013.
CHRISTIAN E. STIGLMAYR, The Experience of Tension in Patients with Borderline Personality Disorder Compared to Other Patient Groups and Healthy Controls. Journal of Social and Clinical Psychology, Vol. 27, No. 5, 2008, pp. 425–446
A. Streeck-Fischer: Jugendliche zwischen Krise und Störung. Schattauer, 2021.

Thursday Jan 08, 2026
Thursday Jan 08, 2026
Doering S, Hartmann HP, Kernberg OF, Narzissmus, 2. akt. und erw. Aufl., Schattauer, 2021.
Hilbig BE, Moshagen M, Zettler I, Dark Factor - Die Essenz des Bösen in uns, Ariston, 2025.
Kohut H, Narzißmus - Eine Theorie der psychoanalytischen Behandlung narzißstischer Persönlichkeitsstörungen, Suhrkamp, 16. Aufl. 2014.
Lammers CH, Beziehungsgestaltung mit narzisstischen Menschen, Psychiatrie-Verlag, 2021.
Lasch C, Das Zeitalter des Narzißmus, DTV, 1986.
Oberleiter S, Stickel P, Pietschning J, A Farewell to the Narcissism Epidemic? A Cross-Temporal Meta-Analysis of Global NPI Scores (1982-2023), Journal of Personality, 2024.

Sunday Dec 21, 2025
Sunday Dec 21, 2025
Das gab es bei uns noch nicht - alle zusammen in einem Podcast. Wir sprechen in unserer moderierten Teamsitzung darüber, wie wir uns psychisch und körperlich gesund halten und was wir nicht nur Kolleg:innen empfehlen, um auf sich selbst gut zu achten.
